Feuerwehren üben Gefahrguteinsatz in der Schule
Die Feuerwehren werden längst nicht nur bei Bränden oder Verkehrsunfällen gerufen. Auch der Schutz der Umwelt gehört zu ihren Aufgaben. Das Einsatzspektrum reicht dabei von der Ölspur auf Straßen über Gaslecks bis hin zu Unfällen mit gefährlichen chemischen Stoffen. Wie ein solcher Gefahrguteinsatz ablaufen kann, übten die Feuerwehren am Montag am Johann-Beckmann-Gymnasium in Hoya. Für das Übungsszenario wurde angenommen, dass im Chemieraum mehrere gefährliche Stoffe ausgetreten waren. Gleichzeitig befand sich noch eine Person im Raum, die gerettet werden musste.
Bei einem solchen Einsatz steht zunächst die Sicherheit an erster Stelle. Der betroffene Bereich wurde daher erkundet, abgesperrt und als Gefahrenbereich gekennzeichnet. Anschließend gingen speziell ausgerüstete Einsatzkräfte in das Gebäude vor. Die eingesetzten Trupps trugen neben schwerem Atemschutz auch Chemikalienschutzanzüge (CSA). Diese gasdichten Schutzanzüge verhindern den direkten Kontakt mit gefährlichen Stoffen. Unter diesen Bedingungen ist die Arbeit der Feuerwehrleute aber besonders anspruchsvoll, da die Einsatzkräfte nur eingeschränkt sehen, hören und sich bewegen können. Außerdem wird die Einsatzzeit durch den Luftvorrat begrenzt.

Die vermisste Person, bei dieser Übung durch eine Puppe dargestellt, konnte schnell gefunden und mit einer Trage aus dem Gebäude gerettet werden. Parallel zur Menschenrettung galt es, die ausgetretenen Stoffe zu untersuchen und die Lage im Chemieraum einzuschätzen. Dafür kamen verschiedene technische Hilfsmittel zum Einsatz. So konnten die Einsatzkräfte außerhalb des Gebäudes Informationen über die vorgefundene Situation erhalten und auf dieser Grundlage die weiteren Maßnahmen planen. Dafür lieferten die Fachleute des ABC-Zuges wertvolle Unterstützung. Anschließend wurden die betroffenen Behältnisse gesichert, verschlossen und entsprechend verpackt. Damit konnte verhindert werden, dass weitere Gefahr von den Stoffen ausging, die laut Kennzeichnung Brom, Schwefelsäure und Salpetersäure darstellten.
Bei einem Gefahrguteinsatz besteht allerdings auch nach dem eigentlichen Einsatz im Gefahrenbereich ein Problem für die Einsatzkräfte. Die Schutzkleidung könnte bei der Arbeit mit den Gefahrstoffen verunreinigt worden sein. Deshalb wurde parallel auf dem Schulhof eine Dekontaminationsstrecke aufgebaut. Dort wurden die eingesetzten Trupps mit speziellen Reinigungsmitteln in einer aufblasbaren Dusche gesäubert. Das Waschwasser wird zum Schutz der Umwelt aufgefangen. Erst danach konnten die Einsatzkräfte ihre Chemikalienschutzanzüge ablegen. Diese Maßnahme ist ein wichtiger Bestandteil eines Gefahrguteinsatzes. Sie verhindert, dass die Gefahrstoffe aus dem Einsatzbereich herausgetragen werden und weitere Personen zu Schaden kommen.

Für das von Zugführer Christian Thies ausgearbeitete Übungsszenario war ein umfangreiches Aufgebot an Einsatzkräften erforderlich. Beteiligt waren der ABC-Zug aus Nienburg und der Zug I – Nord der Kreisfeuerwehrbereitschaft Umwelt. Sie besteht aus den Feuerwehren Bücken, Hassel, Hoya, Schweringen und Warpe.
Die Übung bot den beteiligten Einsatzkräften die Möglichkeit, das Zusammenspiel der verschiedenen Einheiten unter realitätsnahen Bedingungen zu trainieren. Gerade bei Gefahrguteinsätzen kommt es darauf an, dass viele einzelne Maßnahmen ineinandergreifen, von der ersten Erkundung über den Aufbau der benötigten Geräte, die Menschenrettung und die Sicherung der Gefahrstoffe bis hin zur abschließenden Dekontamination. So konnte unter sicheren Übungsbedingungen ein Einsatzszenario trainiert werden, das im Ernstfall besondere Anforderungen an Mensch, Technik und die Zusammenarbeit stellt.
Text: Dr. Andreas Kubier, Feuerwehrpressesprecher Samtgemeinde Hoya
Bilder: Samtgemeindefeuerwehr Hoya
